Gewalt gegen Frauen in Österreich

Die WHO Weltgesundheitsorganisation benennt die Gewalt gegen Frauen und Mädchen als weltweit eines der größten Gesundheitsprobleme. (1) Laut EU-Europarat ist das Risiko einer Frau im Alter von 16 bis 44 Jahren durch familiäre Gewalt zu sterben faktisch größer als durch Verkehrsunfälle. (2) Gewalt ist überall präsent, doch oftmals unsichtbar.

Österreichs Zahlen zu körperlicher Aggression gegen Frauen

Global betrachtet werden beinahe 70 Prozent aller weiblichen Mordopfer von ihren männlichen Partnern ermordet. Jährlich werden weltweit 2-3 Millionen Frauen getötet - aufgrund ihres weiblichen Geschlechts. (4)

Ehrenmorde, häusliche Übergriffe, bewaffnete Konflikte, Zwangsprostitution, fahrlässige Vernachlässigung von Mädchen, Bedrohungen, Vergewaltigung, Psychoterror, Folter, Stalking, Einschüchterung, Verleumdung, Ehenötigung, Kindesmissbrauch, genitale Verstümmelung, sklavenähnliche Arbeitsdienste, Zwangssterilisation, Missbrauch an Seniorinnen / Jugendlichen, Frauenhandel... (5)

In erster Linie sind all diese Verbrechen eine Verletzung der Menschenrechte der Frau. In Österreich werden all diese Tatbestände strafrechtlich verfolgt. Vielfach tabuisieren oder verschweigen Frauen die Gewaltverbrechen jedoch aus Scham und/oder berechtigter Angst. (6)

„Passiert“ ein Verbrechen einfach so?

Woher rührt diese beabsichtigte Gewalttätigkeit gegen Frauen? „Passiert“ ein Verbrechen einfach so?

Gewalt ist die Manifestation ungleicher Machtbeziehungen zwischen Männern und Frauen. Männer demonstrieren und „ordnen“ durch Gewalt die Machtverhältnisse. Die Demonstration körperlicher Überlegenheit stärkt das männliche Selbstwertgefühl.7  Das traditionell geprägte Rollenbild der Frau ist seit jeher als „anders“, „schwach“ und „minderwertig“ degradiert. (8)

Die Gesellschaft lässt diese männliche Typisierung zu, welche dann auch durch Erziehung weitergetragen und als „normal“ eingestuft wird. Strukturelle Machtungleichheit eines Gesellschaftssystems weisen Frauen andere Lebenschancen und traditionelle Bedingungen zu. (9) Überdies verringern äußere Unsicherheiten das Machtgefühl und führen so vermehrt zu Gewalttaten während und nach bewaffneten Konflikten, Krieg, Flucht und Entwurzelung. (10)

Zu diesem männlichen Negativempfinden gegenüber Frauen gibt es mittlerweile komplexe Fachbegriffe wie Frauenfeindlichkeit oder Frauenhass (Misogynie) oder die staatliche Duldung und Förderung tödlicher Gewalt gegen Frauen (Femizid) (11), wie z.B. die Mädchen- oder Frauentötung in China oder die Hexenverfolgung in Nepal. Dies belegt bereits, dass es unzählige Tatbestände geben muss, die diese Begrifferhebungen rechtfertigen.

In Europa war das Motiv Frauenhass bis heute keine politische oder juristische Handlungskategorie. Rassismus und Fremdenhass hingegen haben diese Hürde schon vor einiger Zeit genommen. (12) Frauen waren traditionell bisher in den privaten Bereichen Haushalt und Familie tätig, die vom Menschenrechtsschutz nicht erfasst wurden. (13) Außerdem wird Gewalt gegen Frauen oft als familiäre Angelegenheit, traditionelle Gepflogenheit oder Privatsache abgetan, die jegliche Einmischungen unduldbar machen. (14) Da Opfer und Täter über die Geschehnisse vielfach schweigen, gibt es eine hohe Dunkelziffer und zu wenig statistische Dokumentation, um die richtigen Gegenmaßnahmen abzuwägen. So dachten bisher Staat und Gesellschaft. Nur mittels Gesetzen kann diese Privatsache an die Öffentlichkeit gelangen und demokratische Gerechtigkeit eingefordert werden. (15)

Gesetzeslage in Österreich und Maßnahmen gegen Hassverbrechen

Seit 1975 ändert sich die rechtliche Lage für Frauen: Die Vereinten Nationen erklärten das „Übereinkommen zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau“ beschlossen. (16) In Österreich verankerte die Familienrechtsreform 1975 die gesetzliche Gleichstellung beider Eheleute in der Ehe. Die Frauenbewegungen erzeugten  öffentlichen Druck, Gleichberechtigung und Demokratisierung auf allen Ebenen herbeizuführen.

Heute werden Gesetze zum Frauenschutz weiter ausgebaut und Gewalt gegen Frauen unter Strafe gestellt. (17) 1993 fand die Wiener Weltkonferenz für Menschenrechte statt und die UNO äußerte explizit die Anerkennung der Frauenrechte als integralen, unwiderrufbaren Bestandteil der Universal Human Rights. (18) Seit 2009 gibt es ein verbessertes Gewaltschutzgesetz, mit Hilfe dessen (potentiell) gewalttätige Personen von der Polizei für 14 Tagen aus der gemeinsamen Wohnung verwiesen werden und eine Einstweilige Verfügung weitet ein Kontaktverbot auf bis zu 6 Monate aus. (19)

Österreichische Ministerinnen bestehen auf respektvolle Anerkennung der Sitten und Bräuche anderer Länder, welche jedoch nicht über die Straftatbestände hinausgehen. Ein Ehrenmord in Österreich wird mit lebenslanger Haft bedroht und Gewalt zwischen Ehepartnern gerichtlich bestraft. Opfer des Menschenhandels können nach dem neuen Aufenthaltsgesetz 2006 eine Aufenthaltsbewilligung aus humanitären Gründen erhalten. Im Kontext dieses Rechtsverständnisses stehen auch die öffentliche Förderung von Einrichtungen sowie bewusstseins-bildenden Maßnahmen in Schulen und in der Öffentlichkeit.

Neben den bereits etablierten Einrichtungen wie Frauennotruf, Frauenhäuser und psychosoziale und juristische Prozessbegleitung werden die Errichtung von Notwohnungen für Opfer von Zwangsheirat, die Sensibilisierung der Ärzte und Ärztinnen für Genitalverstümmelung, verstärkte politische Aktivitäten im europäischen und internationalen Kontext als notwendige Schritte zur Bekämpfung von Gewalt an Frauen und Mädchen weiterhin eingefordert. (20)

Ich persönlich finde die Idee von Anti-Gewalt Trainings-Camps für Männer und Männerhäuser, wo Männer therapiert werden und wieder lernen, menschlich zu sein, gar nicht so übel….(21) Nun, im Jahr 2010 deklariert der EU-Rat die Bekämpfung männlicher Gewalt gegen Frauen als eine der obersten Prioritäten aktiv zu handeln. (22) Gewalt gegen Frauen wird zur Staaten-Angelegenheit. Endlich!

White Ribbon Kampagne

Die White Ribbon Kampagne in Österreich ist die international größte Bewegung von Männern, die sich für gewaltfreies Verhalten von Männern in Beziehungen einsetzt. Das bedeutet, Männer begreifen und demonstrieren aktive Bewusstseinsbildung und engagieren sich für ein gewaltfreies Männlichkeitsbild und Geschlechterdemokratie. (23)

Fazit

Grundsätzlich ist Gewalt an Frauen durch nichts zu rechtfertigen, unwichtig welche Vorgeschichten oder Beweggründe der Gewalttäter es geben möge. Die klare Botschaft Österreichs ist, dass Täter nicht ungestraft davonkommen und Opfer unterstützt werden. Die klare Botschaft der Männerbewegung ist ein Zugeständnis und ein „JA, wir müssen etwas ändern“. Die neu geschaffenen und zukünftigen Rahmenbedingungen unterstützen die Frauen in einer neuen Frauen-Entwicklung, die freier und sicherer sein kann.

Es geht voran in eine Zukunft, in der Frauen gehört werden sollten und sich selbst vor allem weiterhin Gehör verschaffen müssen. Tendenziell wird es Rückschläge geben, das gesellschaftliche Rollenbild der traditionellen Frau wird immer wieder aufgerollt, ebenso  wird das Gewicht einer Frauenstimme immer wieder herabgesetzt werden. Besonders in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit wird die Abhängigkeit der Frau doppelt unterstrichen und als Schwäche ausgelegt. Wir müssen also auf uns selbst bauen, denn einen weiteren wichtigen Schritt zu erfolgreichen und effektiveren Unterstützungen gegen Frauengewalt haben wir selbst in der Hand:

Volle Selbstverantwortung für uns selbst zu übernehmen, unsere Stimmen zu erheben, unseren Stolz über das Frau-SEIN wiederzufinden. Und vor Allem: AN-Mut zu zeigen und für uns selbst als Frau einzustehen.

Online-Kolumnistin für Femail
Mag.a(FH) Mirjam Weber

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Montag, 09.05.2011

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