Auf den ersten Blick ist unsere Gesellschaft sexuell sehr freizügig: Sex ist aus den Medien, der Werbung und der Mode nicht mehr wegzudenken. Das Stereotyp der sexuell stets bereiten und aktiven Frau stellt aber auch eine Diskriminierung der Frau dar, die damit auf sexuelle Attraktivität und Verfügbarkeit für den Mann reduziert wird. Frauen, die sich dieser Kategorisierung entziehen, werden oft als uninteressant, zickig, prüde oder langweilig abgewertet. Homosexuelle Frauen bedrohen das gesellschaftliche Ideal der auch sexuell nur auf den Mann orientierten Frau in hohem Maße und sehen sich dadurch besonders massiv mit Ablehnung und Tabuisierung konfrontiert.
Weibliche Sexualität jenseits der Familienplanung ist mit vielen Tabus behaftet. Es scheint, als dürfe über Sexualität lediglich dann gesprochen werden, wenn es um die Fortpflanzung geht. Da die meisten Frauen nur eine bruchstückhafte Sexualaufklärung in ihrer Jugend erhalten haben, sind sie im wahrsten Sinn des Wortes auch sprachlos, wenn sie über Sexualität sprechen möchten.
Sexuelle Empfindungen, sexuelle Fantasien, homosexuelle Gefühle, Selbstbefriedigung, sexuelle Probleme, Sexualpraktiken, Geschlechts-krankheiten, Sexualität im Alter – viele dieser Themen werden irgend-wann im Leben einer Frau aktuell und sollten auch bei der Sexualauf-klärung von Mädchen nicht ausgespart werden. Bei der Suche nach Informationen zu diesen Bereichen sind Frauen allerdings meist auf sich allein gestellt. Gespräche mit Ärztinnen bzw. Ärzten ihres Vertrauens können medizinische Aufschlüsse geben, der ganz intime und persönliche Bereich des Fühlens und Empfindens bleibt dabei allerdings meist unberücksichtigt. Häufig ist es auch schwierig, diese Themen mit dem Partner bzw. der Partnerin oder Freundinnen bzw. Freunden zu besprechen. Psychotherapeutinnen, Sexualberaterinnen sowie Ärztinnen mit psychotherapeutischer Zusatzausbildung können hier weiterhelfen.
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Mittwoch, 16.02.2011

